Applied Kinesiology und Adaptive Force
- Stefan Schwarz

- 16. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wie Applied Kinesiology und Adaptive Force meinen Patienten helfen - ein Blick in die Praxis
Viele Menschen kommen in meine Praxis mit der gleichen Frage:
"Warum tut mir etwas weh, obwohl im MRT oder Röntgen alles normal aussieht?“
"Warum kommt der Schmerz immer wieder ?"
Die Antwort liegt oft nicht in beschädigten Strukturen oder fehlendem Training sondern in etwas viel Feinerem:
der neuromuskulären Kontrolle – also der Fähigkeit der Muskeln, rechtzeitig und stabil auf Belastungen zu reagieren. Genau hier setzen Applied Kinesiology (AK) und der neue Ansatz der Adaptive Force (AF) an.
Kraft ist nicht gleich Stabilität
Wir alle kennen den klassischen Krafttest: drücken, ziehen, gegenhalten. Aber in der Realität passieren Verletzungen selten, während wir maximal drücken.
Sie passieren oft , wenn der Körper halten oder abbremsen muss:
Beim Abfangen eines Schritts
Beim Stolpern
Beim abrupten Richtungswechsel
Beim Tragen und Stabilisieren
Genau diese „Haltefähigkeit“ wird in den üblichen Kraftmessungen kaum erfasst.
Und viele Beschwerden entstehen nicht weil Muskeln zu schwach sind – sondern weil sie im entscheidenden Moment nicht stabil halten.
Was ist Applied Kinesiology?
Applied Kinesiology ist eine diagnostische Methode, die über spezifische Muskeltests misst, wie gut ein Muskel: aktiviert, hält, auf Reize reagiert,
und mit anderen Systemen zusammenarbeitet.
Der Muskeltest ist dabei kein „Krafttest“, sondern ein Test der neuronalen Organisation:
Wie gut kommuniziert ein Muskel mit Gehirn, Faszien, Gelenken, Atmung und dem restlichen Körper?
Ein schwankender, „einbrechender“ Muskel sagt uns:
Hier stimmt etwas im System nicht – und wir suchen nach der Ursache.
Was bringt die Adaptive Force dazu?
Adaptive Force (AF) ist ein neuer wissenschaftlicher Ansatz, der genau misst:
wie gut ein Muskel in statischer Position halten kann,
wie schnell er nachgibt,
und wie er sich an steigende äußere Last anpasst.
Interessant ist:
Instabile Muskeln haben oft genug Kraft, aber sie können diese Kraft nicht kontrolliert abrufen.
Sie brechen früh weg – oft schon bei 50–60 % dessen, was sie eigentlich könnten.
Das erklärt viele Beschwerden:
Rückenschmerzen trotz starker Muskulatur
Knieprobleme ohne strukturellen Schaden
wiederkehrende Schulterbeschwerden
chronische Verspannungen, diffuse Schmerzen
Wie hilft das meinen Patienten in der Praxis?
1. Sofortige Rückmeldung
Mit AK und AF kann ich in Sekunden testen:
Ist der Muskel stabil?
Funktioniert die Haltekraft?
Wo genau bricht die Kette?
Das gibt Patienten ein unmittelbares, klar spürbares Aha-Erlebnis.
2. Ursachen statt Symptome behandeln
Ein Muskel wird nicht „einfach so“ instabil. Ursachen können sein:
blockierte Gelenke
Narben
Stress / autonomes Nervensystem
viszerale Belastungen
falsche Bewegungsprogramme
u.v.m
Nach einer kleinen Korrektur teste ich erneut – und Patienten spüren direkt:
„Jetzt hält der Muskel stabil.“ Das ist extrem motivierend.
3. Der Körper lernt wieder zu kontrollieren
Sobald ein Muskel wieder stabil hält, entspannt sich das Gesamtsystem.
Das Gelenk wird entlastet, obwohl wir es nicht einmal direkt behandelt haben.
Bewegungen werden flüssiger. Schmerzen nehmen ab.
4. Weniger Verletzungen – mehr Belastbarkeit
Stabile Muskeln schützen:
beim Sport
im Alltag
bei beruflicher Belastung
Gerade bei nicht-kontaktbedingten Verletzungen (z. B. Zerrungen, Gelenkblockaden, Bandscheibenvorfälle) spielt die fehlende Haltekraft eine viel größere Rolle als Kraftmangel.
5. Individueller Therapieplan
Dank AK und AF kann ich exakt bestimmen:
welcher Muskel instabil ist, warum das so ist und welche Intervention ihn sofort stabilisiert.
Damit wird Therapie individualisiert und zielgerichtet angewandt.
Fazit: Mehr Stabilität = weniger Schmerz oft während der Behandlung
Applied Kinesiology und Adaptive Force zeigen, dass der Körper unglaublich schnell reagieren kann.
Mit den richtigen Reizen wird ein instabiler Muskel in Sekunden wieder stabil – und Beschwerden reduzieren sich oft unmittelbar.
Der Schlüssel ist nicht, härter zu trainieren.
Der Schlüssel ist, wieder stabil zu werden.
Kommentare